Jan-Peter Vetter | Zertifizierter Trainer

Klarheit – Dankbarkeit – Selbstliebe

Warum Durchhalten nicht immer die richtige Entscheidung ist

Aufgeben hat keinen besonders guten Ruf. Wer durchhält, gilt als konsequent. Wer einen eingeschlagenen Weg verlässt, fragt sich dagegen schnell, ob er zu früh aufgegeben hat. Deshalb bleiben Menschen manchmal bei Entscheidungen, Gewohnheiten, Vorhaben oder Beziehungen, obwohl sie längst zweifeln. Doch die Zeit und Kraft, die du bereits investiert hast, sind allein noch kein guter Grund, weiterzumachen.

Warum wir an Dingen festhalten, die uns nicht mehr guttun

Je mehr wir in etwas investiert haben, desto schwieriger kann es werden, davon Abstand zu nehmen. Du hast vielleicht Monate auf ein Ziel hingearbeitet, viel Energie in eine Beziehung gesteckt oder dich lange für eine Entscheidung eingesetzt. Ein Rückzug fühlt sich dann schnell so an, als wäre all dieser Aufwand umsonst gewesen. Hinzu kommt die Frage, was andere darüber denken könnten. Also machen wir weiter und hoffen, dass sich irgendwann doch noch bestätigt, weshalb wir einmal angefangen haben.

Eine hilfreiche Frage lautet deshalb: Würde ich mich mit meinem heutigen Wissen noch einmal dafür entscheiden?Damit betrachtest du nicht mehr hauptsächlich die Vergangenheit, sondern deine gegenwärtige Situation. Wenn die Antwort Nein lautet, musst du trotzdem nicht sofort alles beenden. Aber du hast einen wichtigen Hinweis darauf, dass du genauer hinschauen solltest. Was hält dich tatsächlich noch dort? Überzeugung, Hoffnung und ein realistisches Ziel? Oder hauptsächlich die Tatsache, dass du bereits so viel investiert hast?

Woran du erkennst, ob Durchhalten noch sinnvoll ist

Nicht jeder Zweifel bedeutet, dass du aufhören solltest. Schwierige Phasen gehören zu vielen Dingen dazu. Ein neuer Beruf kann anstrengend sein, eine Beziehung kann Krisen erleben und ein persönliches Ziel kann zeitweise mehr Kraft kosten als erwartet. Deshalb hilft eine zweite Prüfung: Hat sich nur der Weg als schwieriger erwiesen oder hat sich dein eigentliches Ziel verändert? Wer bei jedem Widerstand abbricht, gibt möglicherweise etwas Wertvolles zu früh auf. Wer jeden Widerstand zum Beweis dafür erklärt, weitermachen zu müssen, kann sich genauso verirren.

Nimm dir deshalb ein konkretes Vorhaben und schreibe zwei kurze Antworten auf: Was spricht heute noch dafür, weiterzumachen? Was würde ich gewinnen, wenn ich aufhöre oder etwas verändere? Vermeide dabei Begründungen wie „Ich habe schon so viel investiert“ oder „Was sollen die anderen denken?“. Übrig bleiben sollten Gründe, die für deine heutige und zukünftige Situation relevant sind. Vielleicht entscheidest du dich danach bewusst fürs Durchhalten. Vielleicht erkennst du aber auch, dass eine frühere Entscheidung nicht für immer gelten muss.

Fazit

Durchhalten ist wertvoll, wenn du noch einen guten Grund dafür hast. Es verliert seinen Sinn, wenn hauptsächlich deine Vergangenheit bestimmt, dass du weitermachst. Du darfst eine Entscheidung neu bewerten, wenn sich dein Wissen, deine Bedürfnisse oder deine Lebenssituation verändert haben. Aufhören bedeutet dann nicht automatisch, gescheitert zu sein. Manchmal bedeutet es einfach, heute eine bessere Entscheidung zu treffen.